

Die Entstehung des modernen Holzbearbeitungsmaschinenbaus ist eng mit Ernst Kirchner verknüpft. Ende des 19. Jahrhunderts steckte diese Industrie in Deutschland in den Anfängen; leistungsfähige Maschinen kamen aus den USA. Ernst Kirchner (geb. 1850 in Kotteritz) erkannte diese Chance. Nach Ausbildung, Werkmeisterschule und Wanderjahren studierte er 1876 auf der Weltausstellung in Philadelphia die moderne US-Technik.
Entschlossen, diesen Zweig im Inland aufzubauen, fasste er 1878 an einem Mühlstein im heimischen Garten den Gründungsbeschluss. Am 1. Juli 1878 eröffnete er in Leipzig mit 14 Arbeitern und einer 6-PS-Dampfmaschine die „Deutsch-Amerikanische Maschinenfabrik Ernst Kirchner & Co.“. Bereits im März 1879 entstand die 100. Maschine, eine Bandsäge.

Das Leipziger Werk: Vom bescheidenen Anfang 1886 zum monumentalen Industriekomplex um 1900.
Unter dem Motto „Wer rastet, rostet“ wuchs die Fabrik rasant. Durch stetige Neubauten (1887, 1891, 1901, 1921) vergrößerte sich das Areal; aus 14 Beschäftigten wurden um 1900 bereits 850 und 1928 rund 1.250 Mitarbeiter. 1896 erfolgte die Umwandlung in eine AG. Mit Filialen in Berlin, London, Paris und Übersee eroberte Kirchner den Weltmarkt. Auf Weltausstellungen (Chicago 1893, Paris 1900) erhielt das Werk höchste Preise und den Grand Prix; Ernst Kirchner wurde zum Kommerzienrat ernannt.

Den Ruf belegten royale Jubiläen: 1888 besichtigte König Albert von Sachsen die 10.000ste Maschine, 1896 folgte die 40.000ste vor Herzog Ernst von Sachsen-Altenburg, und 1903 entstand die 100.000ste.

Generationenfolge: Kommerzienrat Ernst Kirchner († 1926) mit Nachfolger und Enkel.
Auch technisch war Kirchner Schrittmacher: Das Programm reichte von Blockbandsägen („Record“) und Gattern über dynamisch ausgewuchtete Sicherheits-Hobelwellen (bis 6.000 U/min) bis zu Kopiermaschinen, Fass- und Holzwolle-Anlagen. Kirchner leistete Pionierarbeit bei elektrischen Einbaumotoren und schuf mit Anlagenplanungen die Basis für die moderne „fließende Fertigung“.

Werksentwicklung: Die stetige bauliche Vergrößerung von 1886 bis 1928.
Nach dem Tod des Gründers 1926 übernahmen sein Neffe Ernst Kirchner und Richard Bachmann die Führung. 1946 wurde das Werk enteignet und als VEB Mihoma (später Werk IV des VEB MIKROSA) fortgeführt. Nach 1990 wichen die Hallen neuen Bauten; ein erhaltener gelber Klinkerbau erinnert bis heute an den einstigen Weltmarktführer.
Soweit mir bisher bekannt ist bin ich deutschlandweit der Einzige der sich mit der Geschichte der Kirchner & Co AG beschäftigt. Sollte es weitere Sammler / Kirchner-Fans geben bitte ich um Kontaktaufnahme zum gegenseitigen Austausch.